Thematischer Fokus: Kurden in der Sowjetunion – zwischen Erinnerung, Identität, Deportation und Erneuerung
Im Rahmen des 16. Kurdischen Filmfestivals Berlin findet eine Lesung mit dem Autor, Journalisten und Übersetzer Têmûrê Xelîl statt. Die Veranstaltung widmet sich den historischen, kulturellen und gesellschaftlichen Erfahrungen kurdischer Gemeinschaften in der Sowjetunion und beleuchtet zugleich die literarischen und historiografischen Formen ihrer Darstellung und Erinnerung.
Im Rahmen des 16. Kurdischen Filmfestivals Berlin findet eine Lesung mit dem Autor, Journalisten und Übersetzer Têmûrê Xelîl statt. Die Veranstaltung widmet sich den historischen, kulturellen und gesellschaftlichen Erfahrungen kurdischer Gemeinschaften in der Sowjetunion und beleuchtet zugleich die literarischen und historiografischen Formen ihrer Darstellung und Erinnerung.
Die Lesung ergänzt das filmische Programm des Festivals um eine literarische und biografische Perspektive und schafft einen Raum für vertiefende Auseinandersetzung mit einem bislang wenig sichtbaren Kapitel kurdischer Geschichte.
Zum Autor
Têmûrê Xelîl, geboren 1949 in Jerewan (Armenische SSR) in einer yezidisch-kurdischen Familie, studierte Physik und Mathematik und arbeitete zunächst als Lehrer. Ab den 1970er-Jahren war er journalistisch tätig und prägte maßgeblich die kurdische Medienlandschaft im sowjetischen Raum.
Von 1977 bis 1992 arbeitete er als Reporter und Kulturchef der kurdischen Zeitung Rya Teze. Zwischen 1981 und 1984 war er Redakteur des kurdischen Dienstes von Radio Yerevan, anschließend von 1992 bis 1997 stellvertretender Chefredakteur der russischsprachigen Zeitung Golos Kurda. Heute lebt er in Schweden, ist Mitglied des Kurdish Institute of Paris und Herausgeber der Zeitschrift Roja Nû.
Seine journalistischen Arbeiten und Übersetzungen historischer Werke leisten einen bedeutenden Beitrag zur kurdischen Erinnerungskultur, insbesondere im Hinblick auf die Geschichte der Kurden in der Sowjetunion und im postsowjetischen Raum
Inhaltliche Ausrichtung
In der Lesung reflektiert Têmûrê Xelîl zentrale Aspekte kurdischer Lebensrealitäten im sowjetischen Kontext: Fragen von Sprache und Bildung, kultureller Selbstorganisation, staatlicher Kontrolle, Deportation und Exil. Seine Texte verbinden individuelle Biografie mit kollektiven Erfahrungen und eröffnen einen vielschichtigen Zugang zu Erinnerung und Identitätsbildung.
Das anschließende Gespräch vertieft diese Perspektiven und stellt Bezüge zu aktuellen Fragen kurdischer Diaspora-Identität sowie zu künstlerischen und historiografischen Formen der Erinnerung her
Kuratorische Idee
Ziel der Veranstaltung ist es, Film, Literatur und historische Erfahrung in einen offenen Dialog zu bringen. Die Lesung mit Têmûrê Xelîl schafft einen Raum, in dem individuelle Lebensgeschichte und kollektives Gedächtnis aufeinandertreffen.
Im Zentrum stehen folgende Leitfragen:
• Wie wird kulturelle Identität unter Bedingungen von Migration, staatlicher Kontrolle und Fremdbestimmung bewahrt?
• Welche Spuren hinterlässt ein politisches System, das Zugehörigkeit zugleich ermöglicht und begrenzt?
• Wie wirken diese historischen Erfahrungen bis heute im kurdischen Bewusstsein fort?
Die Veranstaltung versteht sich als künstlerisch reflektierende Annäherung an diese Fragen, getragen von Erinnerung, Sprache und Erzählung.